Wunderpflanze

Soja ist weltweit eine der ökologisch wertvollsten und effizientesten Nutzpflanzen. Die Sojapflanze kann ihren Bedarf an Stickstoff zu rund zwei Dritteln selbst decken, weshalb sie wenig Dünger benötigt. Die günstigen Produktionskosten und hohen Proteinwerte sowie ihre Eiweisszusammensetzung (Aminosäuren sind mit tierischem Eiweiss vergleichbar) prädestiniert sie für eine verbreitete und vielseitige Verwendung. In Form von Lecithin, Mehl, Tofu oder Öl ist Soja ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Soja wird aber auch im Tierfutter, für Kosmetik, Druckfarben, Plastik und Agrartreibstoff verwendet.

Rund 75% der weltweit produzierten Soja wird für die Nutztierfütterung verwendet, insbesondere für Schweine und Geflügel. Soja ist für Nutztiere sehr gut verwertbar. Würden wir mit einer anderen Kulturpflanze unseren Proteinbedarf decken wollen, müssten wir grössere Flächen anbauen.

Produktion und Handel

Soja ist weltweit einer der meistgehandelten Rohstoffe und wird auf rund 9.5% der globalen landwirtschaftlichen Ackerflächen angebaut. In den letzten 40 Jahren haben sich Nachfrage und Produktion von Soja verfünffacht. Massgebend für diese Entwicklung ist der Nachholbedarf nach tierischen Eiweissen in Asien, sowie die Verlagerung hin zu mehr Konsum von fettarmem Geflügelfleisch in den westlichen Ländern. 

 

Laut FAOSTAT wurden 2022 weltweit auf 133 Mio. ha Land 350 Mio. Tonnen Sojabohnen produziert. Die USDA geht von fast 400 Mio. Tonnen Sojabohnen im Jahr 2023 aus. Die USA, Brasilien und Argentinien sind dabei für 80% der gesamten Produktion verantwortlich. Die grössten Produktionsländer sind gleichzeitig auch die grössten Exporteure von Soja. Grösstes Importland ist China. Bis 1990 führte China beinahe kein Soja ein. Heute importiert das Land rund die dreifache Menge des EU-Verbrauchs (ca. 100 Mio. Tonnen).

Boom mit Folgen

Soja ist zwar ein wichtiger Eiweisslieferant für Mensch und Tier und eine entscheidende Einkommens- und Devisenquelle für die Anbauländer, doch die Hülsenfrucht bringt auch negative Entwicklungen mit sich. Die durch intensiven Anbau und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen entstehenden Umweltprobleme reichen von Wasserverschmutzung bis hin zu Bodenerosion und abnehmender Artenvielfalt. Durch die veränderte Landnutzung, die Produktion und den Einsatz von Dünger für den Sojaanbau entstehen hohe Treibhausgasemissionen. Auch führt die Ausdehnung des Sojaanbaus zu gesellschaftlichen Konflikten und Spannungen zwischen den Erzeugern und den jeweiligen Gemeinden aufgrund von Land- und Arbeitnehmerrechten, Landflucht usw.

Dank dem Soja Moratorium ist die Abholzung des Amazonas rückläufig. Grosshändler verzichten auf Soja, welches von Flächen im brasilianischen Amazonasgebiet stammt, die nach Juli 2006 abgeholzt wurden. Doch der Druck auf den Brasilianischen Cerrado (Feuchtsavannen-Gebiet) mit seiner aussergewöhnlich grossen Artenvielfalt bleibt hoch. Seit Ende 1950 wurde etwa die Hälfte des Cerrado in landwirtschaftliche Nutzflächen umgewandelt.

Gentechfreie Soja für die Schweiz vermehrt aus Europa

Während die Schweiz seit jeher vollständig auf Anbau und Import von gentechnisch veränderter Soja verzichtet, nimmt der weltweite Anbau von gentechnisch veränderter (GVO) Soja zu. Schätzungen gehen davon aus, dass fast 80% der weltweit angebauten Soja gentechnisch verändert ist (WWF Deutschland, 2023). In den drei grössten Produktionsländern USA, Brasilien und Argentinien wurde 2019 94%, 97% respektive 100% GVO-Soja angebaut. GVO-freie Soja, das in die Schweiz importiert wird, stammt deshalb immer mehr aus Europa.

In der Schweiz muss gentechnisch verändertes Futtermittel gemäss Futtermittelverordnung von 1999 deklariert werden. Die verschiedenen Label-Programme in der Schweiz (IP-Suisse, Naturafarm, Bio Suisse/Knospe, Suisse Garantie, QM Schweizer Fleisch, Mutterkuh, und weitere) verlangen eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel. Dementsprechend müssen alle importierten Sojaprodukte aus GVO freiem Anbau stammen. Unbeabsichtigte Vermischungen mit GVO sind gemäss Schweizerischer Gesetzgebung zulässig, sofern sie die definierten Grenzwerte von max. 0.9% Verunreinigung für bewilligte GVO nicht überschreiten.

Proteinbedarf der Schweiz

Die Nutztierfütterung in der Schweiz basiert zu 78% auf einheimischem Gras, Heu und Getreide und zu 22% auf Kraftfutter. 15% des Rohproteinbedarfs deckt die Schweiz selbst ab. In der Schweiz werden auf 3300ha rund 4'000 Tonnen Soja produziert. Etwa die Hälfte davon dient als Futtermittel. Es fehlt an Züchtungen, Ertragsstabilität und klimatischen und topographischen Voraussetzungen, um die Produktion von Eiweissfuttermitteln substanziell ausdehnen zu können.

Schweizer Importeure haben in den letzten Jahren die Abhängigkeit von Brasilien stetig reduziert. Heute beziehen sie Futter-Soja primär aus Europa, u.a. aus Deutschland, Italien, Österreich und der Ukraine. Dies verringert die Abhängigkeit von einem Produktionsland. So konnte die Schweiz den Anteil von Soja aus Europa auf über 90% erhöhen.