Wunderpflanze

Soja ist weltweit eine der ökologisch wertvollsten und effizientesten Nutzpflanzen. Die Sojapflanze kann ihren Bedarf an Stickstoff zu rund zwei Dritteln selbst decken, weshalb sie wenig Dünger benötigt. Die günstigen Produktionskosten und hohen Proteinwerte sowie ihre Eiweisszusammensetzung (Aminosäuren sind mit tierischem Eiweiss vergleichbar) prädestiniert sie für eine verbreitete und vielseitige Verwendung. In Form von Lecithin, Mehl, Tofu oder Öl ist Soja ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung. Soja wird aber auch im Tierfutter, für Kosmetik, Druckfarben, Plastik und Agrartreibstoff verwendet.

Rund 75% der weltweit produzierten Soja wird für die Nutztierfütterung verwendet, insbesondere für Schweine und Geflügel. Soja ist für Nutztiere sehr gut verwertbar. Würden wir mit einer anderen Kulturpflanze unseren Proteinbedarf decken wollen, müssten wir grössere Flächen anbauen.

Umwelt

Soja ist zwar ein wichtiger Eiweisslieferant für Mensch und Tier und eine entscheidende Einkommens- und Devisenquelle für die Anbauländer, doch die Hülsenfrucht bringt auch negative Entwicklungen mit sich. Die durch intensiven Anbau und Ausdehnung der landwirtschaftlichen Nutzflächen entstehenden Umweltprobleme reichen von Wasserverschmutzung bis hin zu Bodenerosion und abnehmender Artenvielfalt. Durch die veränderte Landnutzung, die Produktion und den Einsatz von Dünger für den Sojaanbau entstehen hohe Treibhausgasemissionen. Auch führt die Ausdehnung des Sojaanbaus zu gesellschaftlichen Konflikten und Spannungen zwischen den Erzeugern und den jeweiligen Gemeinden aufgrund von Land- und Arbeitnehmerrechten, Landflucht usw.

Dank dem Soja Moratorium ist die Abholzung des Amazonas rückläufig. Grosshändler verzichten auf Soja, welches von Flächen im brasilianischen Amazonasgebiet stammt, die nach Juli 2006 abgeholzt wurden. Doch das Abkommen steht aktuell unter Druck: Anfang 2026 haben führende Branchenverbände wie die Abiove unter politischem Einfluss aus dem Moratorium die Kündigung erklärt, was die bisherigen Schutzbemühungen für das Amazonas-Biom massiv gefährdet. 

Produktion und Handel

Soja ist weltweit einer der meistgehandelten Rohstoffe und wird auf rund 9.5% der globalen landwirtschaftlichen Ackerflächen angebaut. In den letzten 40 Jahren haben sich Nachfrage und Produktion von Soja vervielfacht. Massgebend für diese Entwicklung ist der Nachholbedarf nach tierischen Eiweissen in Asien, sowie die Verlagerung hin zu mehr Konsum von fettarmem Geflügelfleisch in den westlichen Ländern.

Laut FAOSTAT wurden 2022 weltweit auf 133 Mio. Hektar Land 350 Mio. Tonnen Sojabohnen produziert. Gemäss aktuellen Berichten des US-Landwirtschaftsministeriums wurden in der Saison 2025/2026 weltweit auf rund 146,5 Mio. Hektar Land über 427 Mio. Tonnen Sojabohnen produziert (USDA Foreign Agricultural Service, 2026). Die USA, Brasilien und Argentinien sind dabei für rund 80% der gesamten Produktion verantwortlich. Die grössten Produktionsländer sind gleichzeitig auch die grössten Exporteure von Soja. 

Grösstes Importland ist China. Im Jahr 2025 erreichten die chinesischen Soja-Importe mit 111,8 Mio. Tonnen einen historischen Höchststand (Zolldaten der General Administration of Customs China, Jan. 2026). Dies entspricht mehr als dem Dreifachen des gesamten EU-Verbrauchs, wobei China seinen Bedarf zunehmend fast ausschliesslich aus Südamerika deckt. Bis 1990 spielte China als Importeur kaum eine Rolle.

 

Gentechfreie Soja für die Schweiz vermehrt aus Europa

Während die Schweiz seit jeher vollständig auf Anbau und Import von gentechnisch veränderter Soja verzichtet, nimmt der weltweite Anbau von gentechnisch veränderter (GVO) Soja zu. Schätzungen gehen davon aus, dass fast 80% der weltweit angebauten Soja gentechnisch verändert ist. In den drei grössten Produktionsländern Brasilien, Argentinien und den USA ist der Anbau von GVO-Soja dabei mit jeweils nahezu 100% nahezu flächendeckend. GVO-freie Soja, das in die Schweiz importiert wird, stammt deshalb fast nur aus Europa.

In der Schweiz muss gentechnisch verändertes Futtermittel gemäss Futtermittelverordnung von 1999 deklariert werden. Die verschiedenen Label-Programme in der Schweiz (IP-Suisse, Naturafarm, Bio Suisse/Knospe, Suisse Garantie, QM Schweizer Fleisch, Mutterkuh, und weitere) verlangen eine Fütterung ohne gentechnisch veränderte Futtermittel. Dementsprechend müssen alle importierten Sojaprodukte aus GVO freiem Anbau stammen. Unbeabsichtigte Vermischungen mit GVO sind gemäss Schweizerischer Gesetzgebung zulässig, sofern sie die definierten Grenzwerte von max. 0.9% Verunreinigung für bewilligte GVO nicht überschreiten.

Proteinbedarf der Schweiz

Die Nutztierfütterung in der Schweiz basiert zu 78% auf einheimischem Gras, Heu und Getreide und zu 22% auf Kraftfutter. 15% des Rohproteinbedarfs deckt die Schweiz selbst ab. In der Schweiz wird Soja auf rund 3.200 Hektar angebaut, was eine jährliche Erntemenge von etwa 8.000 bis 9.000 Tonnen ergibt. Etwa die Hälfte davon dient als Futtermittel. Es fehlt an Züchtungen, Ertragsstabilität und klimatischen und topographischen Voraussetzungen, um die Produktion von Eiweissfuttermitteln substanziell ausdehnen zu können.

Schweizer Importeure haben in den letzten Jahren die Abhängigkeit von Brasilien stetig reduziert. Heute beziehen sie Futter-Soja primär aus Europa, u.a. aus Italien, Ukraine, Deutschland und Österreich. Dies verringert die Abhängigkeit von einem Produktionsland. So konnte die Schweiz den Anteil von Soja aus Europa auf über 95% erhöhen. Mehr zur nachhaltigen Proteinversorgung der Schweiz in unserem Positionspapier.